Michael Gritzner (Spittal) - Osttirol Online


Michael Gritzner (Spittal)

Eingestellt am 29.01.2021

„Man muss sich etwas breiter aufstellen“

Michael Gritzner (44) liegt Musik sehr am Herzen - ob als Mastermind der Gruppe „Ö5“ oder in seinem „MIKE Records“-Studio in Spittal. Andererseits spürt er gerade als Musikmacher auch die aktuelle Corona-Situation erheblich. Der gebürtige Gmünder lebt mit Ehefrau Daniela in Spittal, hat einen Sohn und eine Tochter.

OVT: Herr Gritzner, fast ein Jahr lang nicht mehr vor Live-Publikum spielen - wie sehr vermissen Sie das? Live-Stream-Konzerte können wohl mit echten Bühnen-Auftritten nicht ganz mithalten.

Michael Gritzner: Für einen Livemusiker ist es natürlich am Schönsten vor „echtem“ Publikum zu spielen. Live-Stream-Konzerte sind halt eine Möglichkeit, trotzdem für seine Fans da zu sein. Die Stimmung, die Emotionen und die Magie des Augenblicks, wenn man auf eine Bühne vor vielen Menschen steht, kann man aber nicht mit Technik ersetzen. Außerdem hat man nach dem dritten Onlinekonzert auch vermutlich genug davon, nur in sein Tablet zu schauen.

 

Wie sehr zerrt dieser Umstand an der Unterhaltungsindustrie?

Belastend ist dieser Umstand für alle – besonders aber für die Musikbranche – Einmal abgesehen von den enormen finanziellen Einbußen sind es aber vor allem auch die ganz normalen sozialen Kontakte, die sehr fehlen.

 

Wird sich die Musikbranche gar neu erfinden müssen? Sollten zum Beispiel Impfpass, Corona-Tests etc. zum Standard werden, wenn man auf ein Konzert möchte?

Ich bin mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicher, ob es die Live-Auftritte, Veranstaltungen, Konzerte usw. in der gewohnten Form absehbar überhaupt noch geben wird. Große Konzertveranstaltungen werden die nötige Infrastruktur schon schaffen – auch Feste im kleinen Rahmen werden vermutlich kein großes Problem darstellen. Treffen wird es meiner Meinung nach leider die Veranstaltungen wie Feuerwehrfeste, Kirchtage, Zeltfeste usw., weil es für die Vereine schwer sein wird, die Auflagen (wie auch immer die aussehen werden) wirtschaftlich zu erfüllen.

 

Die Musikbranche verlagerte sich aber auch schon vor Corona stark ins Internet: YouTube-Klicks lösten da CD-Verkaufszahlen längst ab!

Dieser Trend hat sich ja wie gesagt schon lange vor Corona abgezeichnet. Selbstverständlich verschließe ich mich nicht dem Wandel der Zeit, da ist gerade sehr viel im Umbruch. In vielen Ländern wird die herkömmliche CD meist nur noch als PR-Artikel angesehen. Natürlich wird auch bei uns immer mehr Musik online gekauft. Erschreckend dabei ist allerdings, dass sich mit den gängigen Streaming Portalen nur mehr ein Bruchteil vom CD-Verkauf verdienen lässt. Hier sind meiner Meinung nach die großen Plattenfirmen gefordert, um die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Doch auch speziell im Musikbusiness ist es schön zu sehen, dass es immer wieder Ausreißer und Hits gibt, die durch die Decke gehen.

 

Für „Ö5“ lief es davor gut. Die Lieder zählten zu den meistgespielten in den österreichischen Regionalradios. Ihr wart mehrmals bei „Guten Morgen Österreich“ im ORF und hattet Auftritte wie auf der Burgarena Finkenstein. Wie stark bremste die Situation euch ein?

Ich habe mit meiner Band „Ö5“ das große Glück, ein sehr gutes Airplay zu haben. Für 2020 hatten wir große Pläne, aber da ging es vielen Musikgruppen gleich (und vermutlich auch noch mindestens bis Sommer 2021): Keine Live-Auftritte eben, kein Einkommen. Ich habe die Zeit genutzt und einige Songs für andere Künstler geschrieben und in meinem Studio „MIKE Records“ produziert.

 

Welche Ziele verfolgen Sie mit ihrem Studio und was machen Sie alles?

Ich bin ja nicht nur Komponist und Texter von „Ö5“, sondern schreibe auch Songs für verschiedene Künstler. Außerdem muss man sich in der aktuellen Lage als Studio etwas breiter aufstellen: Neben Musik für diverse Künstler, produziere ich nun auch Telefonschleifen, Ansagetexte, Werbung oder Hörbücher. Hierfür arbeite ich mit verschiedenen Sprechern zusammen und ich mache gerade selbst eine Sprecherausbildung. Zudem gibt es bei „MIKE Records“ auch personalisierte, also auf eine Person zugeschnitte Songs als Geschenk für verschiedene Anlässe wie Geburtstage, Hochzeiten, Taufen usw. Wenn jemand gerne singt oder musiziert, bisher aber Scheu hatte ein Tonstudio zu kontaktieren, schaffe ich auch die Möglichkeit für professionelle Demos.

 

Welchen Wunschtraum hätte Michael Gritzner privat noch?

Ich denke, so wie viele andere wünsche ich mir, dass sich die aktuelle Lage ehestmöglich wieder einpendelt und man wieder ein normales Leben führen kann. Natürlich ist mein größter Wunsch, dass meine Familie und Freunde gesund bleiben und dass meine Kinder unbeschwert und glücklich aufwachsen und dass ich noch lange das tun kann, was mir Freude bereitet: Musik machen.

 

Und wie gefällt Ihnen der „Oberkärntner Volltreffer“ gern noch gefragt?

Ein sehr informatives Wochenblatt mit tollen Berichten, überraschend vielen Stellenanzeigen und in der „Fundgrube“ gibt’s oft Sachen, die man sonst nirgends findet. Außerdem lernt man immer wieder interessante Persönlichkeiten kennen. Auf der letzten Seite „Was ist los in Oberkärnten“ fehlen mir halt die Musikveranstaltungen!

 

Kurz gefragt:

Beruf: Musiker, Manager und Produzent

Sternzeichen: Löwe

Ich schaue gern (TV, Film): Tutorials über Musikproduktion, Mixing

Leibgericht: Pizza, ein gutes Steak

Kleines Laster: Ich hocke zu viel im Studio, etwas mehr Bewegung würde nicht schaden.

Lebensmotto: Ich versuche einfach viele Dinge wieder positiver zu sehen, mich von „Energievampiren“ fern zu halten und mich auf meine Ziele zu fokussieren.


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