Mag. Klaus Rüscher (Malta) - Osttirol Online


Mag. Klaus Rüscher (Malta)

Eingestellt am 27.03.2020

Politisches Engagement erhält die Lebensqualität

Mag. Klaus Rüscher (53) ist seit 2009 Bürgermeister der Gemeinde Malta. Erst im vergangenen November war seine Gemeinde auch durch einen massiven Murenabgang in den Medien. Der gebürtige Obersteirer zog 1999 nach Malta und übernahm mit seiner Frau Gerhild deren elterliches Gästehaus „Hubertus“. Sie haben drei Söhne, Maximilian, Christof und Konstantin.

OVT: Herr Mag. Rüscher, die Corona-Krise wird wohl einiges verändern – wie spüren sie das in ihrer Gemeinde?

Bgm. Mag. Klaus Rüscher: Die Gemeinde Malta hat umgehend die vom Nationalrat beschlossenen Gesetze aber auch die Anweisungen der Bundes- und Landesregierung zum Thema Covid-19 umgesetzt. Zudem haben wir einen Betreuungsdienst in unserem Kindergartenzentrum eingerichtet. Eltern, die zum Beispiel bei Blaulichtorganisationen beschäftigt sind und zu Hause niemanden für die Kinderbetreuung haben, können ihre Kinder nach wie vor in den Kindergarten bringen. Des Weiteren haben wir einen Notdienst für ältere Gemeindebürger eingerichtet. Im Bedarfsfall werden Einkäufe oder das Besorgen von Medikamenten erledigt. Insgesamt nehmen die Gemeindebürger die gesetzten Maßnahmen sehr gut und diszipliniert an – es herrscht zurzeit großes Verständnis in der Bevölkerung.

 

Kann die Krise vielleicht auch das „Regionale“ wieder mehr fördern?

Die aktuelle Krise zeigt meines Erachtens, auf welch tönernen Füßen unser Wirtschaftssystem steht. Vielleicht besinnen wir uns in Zukunft alle auf mehr Regionalität. Vielleicht ist es zu hinterfragen, ob es wirklich Sinn macht, jede Kleinigkeit in Fernost zu produzieren, nur weil es dort (inklusive Transport um die halbe Welt!) um ein paar Cent billiger produziert werden kann.

 

Gerade als Politiker ist man ja viel unter Leuten, hat viele direkte Kontakte - verändert man sich dadurch auch selbst?

Für die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen geht die Arbeit unvermindert weiter. Es gibt vieles zu organisieren und zu kommunizieren. Viele Fäden laufen – vor allem in kleinen Gemeinden – beim Bürgermeister zusammen. Obwohl die aktuelle Krise für Menschen meiner Generation etwas völlig neues bedeutet, denke ich nicht, dass es mich verändert. Es ist, so denke ich, teil des Jobs, mit Krisen umzugehen. Natürlich hofft und bangt man wie jeder aufmerksame Bürger, in wie weit die gesetzten Maßnahmen greifen. Und natürlich hofft man auch, dass sich die Lage nicht ähnlich zuspitzt wie in Oberitalien.

 

Welche Anliegen sind Ihnen als Bürgermeister generell wichtig?

Die ländlichen Gemeinden des Oberkärntner Raums kämpfen nun schon seit einiger Zeit gegen Abwanderung und Bevölkerungsrückgang. Zudem leben wir in einer der wirtschaftlich schwächsten Regionen Österreichs. Andererseits kann die Gemeinde Malta mit überaus hoher Lebensqualität und guter Verkehrsanbindung punkten. Aufgabe der Gemeindepolitik ist es, so bin ich überzeugt, unsere Gemeinden zukunftsfit zu machen. Breitbandinternet, Ortskernbelebung, unterschiedliche Wohnprojekte, erneuerbare Energie und zeitgemäße Nahverkehrslösungen sind nur einige Themen, die unsere nahe Zukunft bestimmen werden. Zudem sind mir der Aufbau von regionalen Wertschöpfungsketten aber auch der soziale Zusammenhalt, etwa in unseren Vereinen, sehr wichtig.

 

Auf welche Erfolge blicken Sie gerne zurück?

Insgesamt konnte die Infrastruktur unserer Gemeinde in den letzten zehn Jahren bedeutend verbessert werden. Der 2015 fertiggestellte Radweg durch das Maltatal wird von vielen als „schönster Radweg Kärntens“ bezeichnet. In unserem Kinderbetreuungszentrum Fischertratten (seit 2012), welches wir interkommunal mit unserer Nachbargemeinde Gmünd betreiben, werden bis zu 150 Kinder aus beiden Gemeinden betreut. Hier sorgen wir für bestmögliche Unterstützung junger Familien. Mit der Renovierung der Volksschule (2015) und dem Neubau des Festsaales (2017) konnten wichtige Infrastrukturprojekte im Ortszentrum verwirklicht werden. 2018 wurde schließlich der „Alte Pfarrhof“, ein über 400 Jahre altes Gebäude, mit Hilfe von Leader-Geldern für Kleingewerbe und Vereinsräumlichkeiten renoviert. Gemeinsam mit der Wildbach- und Lawinenverbauung arbeiten wir zudem an zahlreichen Wildbachverbauten um den Hochwasserschutz für unsere Gemeindebürger zu verbessern. Die Teilnahme am e5-Programm und am Projekt „Dorfservice“ erachte ich als zusätzliche Mosaiksteine für eine florierende, lebenswerte Gemeinde.

 

Der Bürgermeister wird am Land oft überparteilich gesehen. Welche Vor- oder Nachteile hat das? Und inwieweit nehmen eventuelle Anfeindungen zu? Man hört in letzter Zeit ja immer mehr davon – vor allem in Deutschland!

Insgesamt halten sich Anfeindungen in Grenzen. Man lernt als Bürgermeister sehr schnell, zwischen konstruktiver Kritik und destruktiver „Maulerei“ zu unterscheiden. Zudem haben wir in dieser Gemeinderatsperiode eine sehr gute und sachliche Zusammenarbeit im Gemeinderat und im Gemeindevorstand. Generell sollte – und davon bin ich zu tiefst überzeugt – Parteipolitik in der Gemeindepolitik keine Rolle spielen. Das ist mit ein Grund, warum ich keiner Partei angehöre.

 

Politik bestimmt im Allgemeinen unser Leben und sollte die Menschen daher interessieren. Was brachte Sie in die Politik?

Mein Vater war über viele Jahre kommunalpolitisch tätig und hat zu Hause viel über die politischen Vorgänge in Gemeinde, Land und Bund erzählt. Er hat uns Kindern nähergebracht, dass politisches Engagement als Einsatz für die Allgemeinheit wichtig ist und auch die Meinung politisch andersdenkender zu respektieren. Des Weiteren habe ich Geschichte studiert und weiß, dass die Politik jede gesellschaftliche Entwicklung maßgeblich beeinflusst.

 

Sie sind ja „Zuagroaster“ in Oberkärnten. Wie viel Kärntner steckt mittlerweile im Steirer?

Ich lebe nun seit bald 21 Jahren mit meiner Familie im Maltatal und empfinde hierher eine große Verbundenheit. Andererseits kann und will ich meine Wurzeln nicht verleugnen. Ein gewisser Anteil „Steirer“ wird immer in mir stecken. Zu Hause erzähle ich immer noch „Kärntnerwitze“ – meine Söhne hingegen „Steirerwitze“…

 

Welchen Wunschtraum hätten Sie privat noch?

Ich bin ein sehr zufriedener Mensch und schätze das Privileg im Maltatal leben, arbeiten und wirken zu können. Ich liebe es, in die Berge zu gehen – Ich wünsche mir gesund und fit zu bleiben, um noch viele Bergtouren gemeinsam mit meiner Frau Gerhild, mit meinen Söhnen oder mit Freunden absolvieren zu können.

 

Und wie gefällt Ihnen der „Oberkärntner Volltreffer“ gern noch gefragt?

Der „Volltreffer“ informiert unsere Haushalte über viele interessante Details aus unserer Region. Die Menschen erfahren dadurch viele kleine aber feine Ereignisse, die sonst vielleicht nicht erwähnt werden würden.

 

Kurz gefragt:

Beruf: Bürgermeister der Gemeinde Malta

Sternzeichen: Jungfrau

Ich schaue gern (TV, Film): Dokumentationen, Filme (einer meiner Lieblingsfilme ist „Forest Gump“ mit Tom Hanks)

Ich esse gerne: alles

Lebensmotto: Never stop exploring!


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