Kein Glyphosat auf der Gailtalbahn - Osttirol Online


Kein Glyphosat auf der Gailtalbahn

Es war ein heiß diskutiertes Thema im Gailtal, der Einsatz eines Glyphosat-Unkrautbekämpfungsmittels entlang der Gailtalbahnstrecke zwischen Hermagor und Kötschach-Mauthen. Nach einer Aussprache zwischen dem Verein „Freunde der Gailtalbahn“, den Anrainergemeinden und regionalen Interessenvertretern, wird nun auf die Verwendung des Herbizids verzichtet.

„Gemeinsam für eine saubere Region“ , hieß es am 11. Juni in Dellach im Gailtal. Unter dem Motto „Beim Reden kommen die Leute zusammen“ fand im Rathaus von Dellach eine hochkarätige und konstruktive Sitzung zum Thema Vegetationskontrolle entlang der Gailtalbahnstrecke statt. Auf Einladung der drei Bürgermeister Hermann Jantschgi (Kirchbach), Johannes Lenzhofer (Dellach) und Josef Zoppoth (Kötschach-Mauthen) trafen sich Vertreter des Vereins „Freunde der Gailtalbahn“, Slow-Food-Travel, dem Bienenzüchterverein und weitere Experten zur Aussprache. Nach zweistündiger sachlicher Diskussion wurde dem Kompromissvorschlag von DI Andreas Mühlsteiger (Obmann des Verein Gailtalbahn) zugestimmt, dass ab sofort kein Glyphosat mehr auf der Strecke eingesetzt wird.

Alternativen abklären

Der Ankündigung von Bgm. Zoppoth folgend werde man die Zeit bis in den Herbst dafür nutzen, um mit Umwelt-LR Sara Schaar und anderen Vertretern der Landesregierung die geeignetsten Alternativen und deren Finanzierung abzuklären. Als geeignet erscheinen Tests mit Heißwasser und Pelargonsäure. Unabhängig davon einigte man sich darauf, dass heuer ausschließlich mechanisch gearbeitet werden wird. Alle Sitzungsteilnehmer haben sich klar und unmissverständlich für den Verein Gailtalbahn ausgesprochen und ihre vollste Unterstützung auch hinsichtlich der bevorstehenden Draisinennutzung zugesagt. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten gelte dies auch für die Gemeinden des Tals.

Patenkilometer

Leopold Feichtinger hat seitens Slow-Food-Travel Region die Idee der „Patenkilometer” in die Diskussion eingebracht und den ersten Kilometer selbst übernommen. Gemeinsam werde man die Bürgerinnen und Bürger des Tals bitten, sich an der jährlichen Pflege der Strecke zu beteiligen. Abgestimmt werden die Mäharbeiten mit dem Verein Gailtalbahn. Abschließend betonten Bürgermeister Lenzhofer, Zoppoth und Jantschgi ihren Dank für dieses vertrauensbildende und zukunftsweisende Vorgehen aller Beteiligten.

Ronacher: für eine saubere Lösung

Die durch den Verein Gailtalbahn geplante Ausbringung des Umweltgiftes Glyphosat auf der stillgelegten Bahnstrecke von Hermagor nach Kötschach stößt bei zahlreichen Bürgern, Landwirten und Imkern auf Unverständnis, meinte auch Hermagors Bürgermeister und Vorsitzender des Gemeindeverbandes „Karnische Region“, Siegfried Ronacher. „Auch wir Bürgermeister der Region sind gegen die Ausbringung dieses Pestizids, da es nachweislich für das Insektensterben sowie für die Vernichtung von essentiellen Lebewesen verantwortlich ist. Zudem ist es extrem gesundheitsschädlich“, so Ronacher, der auch dafür plädiert, dass nach umweltfreundlichen Alternativen für die Unkrautbekämpfung gesucht werde. „Die Diskussion um den gänzlichen Verzicht der Glyphosat-Ausbringung wurde Großteils in den Gemeinden schon beschlossen. Auch das Bundesland Kärnten nimmt in diesem Bereich eine Vorreiterrolle ein. Leider konnte bis heute noch keine Mehrheit auf Bundes- und EU-Ebene erzielt werden. Wir hoffen, dass es endlich ein Gesetz geben wird, welches die Ausbringung und Anwendung von Glyphosat verbietet. Die Bürgermeister des Bezirkes haben sich dazu entschlossen, eine saubere und klare Lösung, ohne den Einsatz des umweltschädlichen Herbizids, zu finden. Es wird bestimmt eine zielorientierte Lösung zur Zufriedenheit Aller geben. Denn wir sind dafür verantwortlich, dass auch unsere Kinder die Schönheit unserer Natur erleben und nutzen können“.

Astner: Auch für ÖBB gelten

Auch Vize-Bgm. Leopold Astner gratuliert zur zukunftsweisenden Lösung für die Gailtalbahn „Der Zusammenhalt der drei Gemeinden im Oberen Gailtal ist vorbildlich! Eine einzige konstruktive Sitzung hat gereicht, um eine mehr als zufriedenstellende Lösung zu erzielen!”. Gleichzeitig stellt er aber die Frage, was Hermagor und das Untere Gailtal unternehmen werden. „Allein in unserem Stadtgemeindegebiet, reden wir von rund 10,5 km Bahnstrecke, die entlang sensibler Wasser- und Natura 2000-Gebiete führt”. Was für den kleinen Verein gilt, müsse auch für die ÖBB-Strecke im Unteren Gailtal gelten. Es sei spannend, so Astner, „ob sich Bgm. Ronacher bei den ÖBB mit der Forderung ‚EIN GLYPHOSATFREIES GAILTAL‘ durchsetzen wird“. Der Erwartungsdruck der Bürger im Unteren Gailtal sei sehr hoch

Köfer: wichtiges Signal

Team Kärnten-Chef Gerhard Köfer begrüßt, dass im Bereich der Gailtalbahnstrecke zwischen Hermagor und Kötschach kein Glyphosat ausgebracht wird. Diese wichtige Einigung ist heute öffentlich geworden: „Gerade in einer Slow-Food-Region wie dem Gailtal kann es nicht sein, dass das Umweltgift Glyphosat Verwendung findet. Es braucht von der öffentlichen Hand Unterstützungsleistungen und andere Möglichkeiten, dem Unkraut Herr zu werden.“ Eine Chance für die zukünftige Bekämpfung des Unkrauts sieht Köfer darin, dass die Gemeinden, die an der Bahnstrecke liegen, dafür sorgen, dass in den Gleisbereichen regelmäßig gemäht wird: „Das könnten beispielsweise die jeweiligen Bauhöfe oder Fachabteilungen mitübernehmen. Somit wäre dem Verein und dem Tourismus geholfen sowie der Verzicht auf Glyphosat langfristig sicherzustellen.

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