Kein Glyphosat auf der Gailtalbahn - Osttirol Online


Kein Glyphosat auf der Gailtalbahn

Nachdem in den letzten Wochen über die Verwendung eines glyphosathaltigen Unkrautbekämpfungsmittels entlang der Bahnstrecke zwischen Hermagor und Kötschach-Mauthen die Wogen hoch gingen, setzten sich die beteiligten Vereine mit Vertretern der Anrainergemeinden an einen Tisch zur Aussprache. Nun werden Alternativen zum umstrittenen Herbizid ausprobiert.

Seit vier Jahren ist der Streckenabschnitt der Gailtalbahn zwischen Hermagor und Kötschach-Mauthen für den regulären ÖBB-Bahnverkehr stillgelegt. Eine touristische Nachnutzung erfolgt durch das Draisinen-Projekt des Vereins „Gailtalbahn“, der sich damit auch für den Erhalt des Gleiskörpers einsetzt, in der Hoffnung, dass eines Tages wieder Züge dort fahren könnten, erzählt Ingo Ortner, Schriftführer des Vereins und auch Mitglied der Slow Food-Gemeinschaft. Der Verein „Gailtalbahn“ pachtete die Bahnstrecke vom Land Kärnten. Damit gingen sie auch die Verpflichtung ein, den Gleiskörper zu erhalten, dazu gehört auch die Vegetationskontrolle. Durch einen zu starken Bewuchs würde der Gleiskörper für den Zugverkehr unbrauchbar. Eine Unkrautbekämpfung mit einem glyphosathaltigen Herbizid, wie es die ÖBB auf ihren Strecken verwenden, war geplant. Das Gailtal ist auch die weltweit erste Slow Food Travel-Region und damit ein nachhaltiges, touristisches Vorzeigeprojekt, um das sich mittlerweile viele Initiativen bemühen und das auch regional Existenzen sichert. Vertreter der Slow Food Travel-Region stellten sich mit einer Petition gegen die Verwendung von Glyphosat entlang der Strecke, was eine rege Diskussion in Gang brachte.

Alternativen erst finden

Auf Einladung der Bürgermeister dreier Anrainergemeinden LA Hermann Jantschgi (Kirchbach), Johannes Lenzhofer (Dellach) und Mag. (FH) Josef Zoppoth (Kötschach-Mauthen) trafen sich Vertreter des Vereins „Gailtalbahn“, der Slow Food Travel-Region, des Bienenzüchtervereins und weitere Experten zur Aussprache im Rathaus in Dellach. Nach zweistündiger Diskussion wurde dem Kompromissvorschlag von DI Andreas Mühlsteiger (Obmann „Gailtalbahn“) zugestimmt, dass ab sofort kein Glyphosat mehr auf der Strecke eingesetzt werde und heuer die Unkrautbekämpfung maschinell und in Handarbeit erfolge. „Beim runden Tisch gab es ein professionelles Gespräch, die Einigung ist sehr viel wert, an einen Kompromiss hat zu Beginn keiner geglaubt“, meinte Ortner. Im nächsten Jahr werde es einen Versuch mit Pelargonsäure geben. Auch eine Methode der Unkrautbekämpfung mit Dampf wurde besprochen, diese sei aber auf dem Gleiskörper nicht effektiv, Heißwasser sehr energieaufwendig. Der Ankündigung von Bgm. Zoppoth folgend werde man die Zeit bis in den Herbst dafür nutzen, um mit Umweltlandesrätin Sara Schaar und anderen Vertretern der Landesregierung die geeignetsten Alternativen zur Glyphosatverwendung und deren Finanzierung abzuklären. Leopold Feichtinger hat seitens Slow Food Travel-Region die Idee der „Patenkilometer” in die Diskussion eingebracht und will die Pflege des ersten Streckenkilometers selbst übernehmen. Gemeinsam möchte man die Bürger des Tals bitten, sich an der jährlichen Pflege der Strecke zu beteiligen. Abgestimmt werden die Mäharbeiten mit dem Verein „Gailtalbahn“. Ein wahres „Meisterstück“ wäre es laut Ingo Ortner, wenn die ÖBB von Villach bis herauf mit Pelargonsäure arbeiten würde, denn die Slow Food Travel-Region umfasst das ganze Gailtal. Man hoffe wieder auf eine Nutzung für den Personennahverkehr. „Das 1-2-3-Ticket wird eingeführt. Der Gast der Zukunft kommt mit dem Zug, aber das Nassfeld ist damit nicht erreichbar. Vielleicht hat man die Strecke irrtümlich zugesperrt“, meinte Ortner.


Weitere Bilder:
Mit den Bürgermeistern der Anrainergemeinden traf man sich zu einem runden Tisch und kam zu einer Einigung. V. l.: Leopold Feichtinger (Slow Food), Bgm. Johannes Lenzhofer, Leo Oberauner (Bio-Imker), Herwig Ertl (Slow Food), DI Andreas Mühlsteiger (Verein

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