Haltestelle wird nun doch geprüft - Osttirol Online


Haltestelle wird nun doch geprüft

Ob und unter welchen Umständen ein Weiterbetrieb der Eisenbahnhaltestelle Oberfalkenstein durch die Gemeinde Obervellach möglich wäre, wollte die Bürgerinitiative „Haltestelle Oberfalkenstein“ wissen. Sie suchte das Gespräch mit den ÖBB. Nun soll ein unabhängiges Gutachten die Umbaukosten feststellen.

Mit Inkrafttreten des neuen ÖBB Fahrplans für 2020 wurde der Betrieb der Haltestelle an der Tauernstrecke eingestellt. Eine Bürgerinitiative stellt sich gegen die dauerhafte Schließung. Für die Bewohner in den umliegenden Bergortschaften war es eine wichtige Verbindung aus dem Tal. „Für viele junge Familien, die sich niedergelassen haben, ist eine gute Verkehrsanbindung wichtig, besonders für Ausbildung und einen guten Beruf“, meinte Hans Keuschnig, Sprecher der BI. Derzeit würden nur zwei Kinder die Verbindung nach Spittal nutzen, schon in kürzerer Zeit soll es aber in der Ortschaft wieder mehr Kinder geben, die diese Zustiegsmöglichkeit brauchen. Mit der Bahn könne man in gut 20 Minuten nach Spittal kommen, mit der derzeitigen Ersatzlösung durch Busse dauert der Weg um knapp eine Stunde länger.

Verschiedene Vorstellungen

Von der Schließung betroffen seien kärntenweit drei Haltestellen mit geringer Frequenz, darunter auch Oberfalkenstein, informierte Dipl.-Ing Gudrun Polzhofer-Girstmair (ÖBB Infra), die sich die Anliegen der Bürgerinitiative anhörte. Bei Oberfalkenstein handelt es sich um eine sogenannte Interessentenhaltestelle, sie wurde von der Gemeinde Obervellach errichtet und von den ÖBB betrieben. Bei unwirtschaftlichem Betrieb habe die ÖBB die Möglichkeit, diesen einzustellen „Das Potential ist einfach nicht da, wir sind aber angehalten, wirtschaftlich zu agieren“, so Polzhofer-Girstmair. Der richtige Ansprechpartner sei als Besteller ohnehin das Land Kärnten. Aber nicht nur die Wirtschaftlichkeit war Thema, sondern auch die Ausstattung der Haltestelle, die nicht mehr als betriebssicher eingestuft werden konnte. BI und Gemeinde wollten wissen, welche Mittel notwendig wären, um die Haltestelle den heutigen Erfordernissen anzupassen. Es fehlt an Beleuchtung, Beschallungsanlage und einen Fahrkartenautomaten. Auch die Höhe des Bahnsteiges wäre laut ÖBB zu gering, dieser auch nicht barrierefrei. Die nötigen Arbeiten beliefen nach Angaben der ÖBB auf über zwei Mio. Euro, erklärte Bgm. Anita Gössnitzer. Eine Investition, die die Gemeinde nicht tätigen könne. Die Schätzungen der BI liegen aber deutlich darunter.

Doch billiger?

Dass die Umbauarbeiten so umfangreich sein müssten, glaubt Keuschnig nicht und hat nachgemessen. Die Bahnsteigkante habe die notwendige Höhe von 55 cm und entspreche somit den Anforderungen. Die Sanierungskosten würden dadurch geringer ausfallen. Mit dem Land Kärnten will man ins Gespräch kommen, meinte Bgm. Gössnitzer. Auch LR Sebastian Schuschnig hat sich nach Berichten in den Medien eingeschaltet. „Die Schließung dieser Haltestelle wurde noch vom damals zuständigen LR Rolf Holub mit dem Kärnten-Paket beschlossen. Einem solchen Vertrag, der zu Lasten des ländlichen Raumes geht, hätte ich niemals zugestimmt. Ich habe natürlich Verständnis für die betroffenen Kinder, deshalb sehen wir uns die Situation genau an. Wir müssen allen voran Klarheit erhalten, welche Investitionen in die Haltestelle wirklich zwingend nötig sind und mit welchen Kosten dafür zu rechnen ist. Dafür habe ich einen externen Gutachter beauftragt. Es müssen objektive Zahlen und Fakten auf den Tisch, um eine Entscheidung über die Verhältnismäßigkeit einer solchen Investition zu treffen“. Danach werde man sehen, ob die Gemeinde in der Lage ist den Umbau zu finanzieren, meinte Keuschnig. Man sieht die Politik in der Pflicht. „Es geht um Chancengleichheit am Land. Hat das Land Kärnten nicht eine gewisse Verantwortung eine entsprechende Infrastruktur aufrecht zu erhalten?“ fragte der Unternehmer und Anrainer Erwin Maier, der wie Keuschnig befürchtet, „keine junge Familie mehr hierher zu bekommen“.


Weitere Bilder:
Die Bahnsteigkante habe die vorgeschriebene Höhe. Ein unabhängiges Gutachten soll nun die Kosten eines Umbaus prüfen.
Verwaist. Seit Dezember halten in Oberfalkenstein keine Züge mehr.

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