Dellach /Gail: Große Kooperation bei Abwasser-Lösungen - Osttirol Online


Dellach /Gail: Große Kooperation bei Abwasser-Lösungen

Im Gemeindegebiet von Dellach im Gailtal lässt man bepflanzte Bodenfilter, sprich Pflanzenkläranlagen, arbeiten. In den Ortsteilen Dellach, Nölbling, Leifling und St. Daniel wurde umweltbewusst gehandelt und insgesamt sechs Pfanzenkläranlagen errichtet.

Eine Pflanzenkläranlage, die in Rekordzeit von zehn Monaten errichtet wurde und seit Juli in Betrieb ist, befindet sich in der Ortschaft Nölbling. Eine wichtige Voraussetzung für diese Technik ist das gemeinsame Wollen der Bewohner, denn nicht die Gemeinde ist hier Betreiber, sondern vier Genossenschaften. In Nölbling habe man sich aber schon seit zehn Jahren mit der Abwasserfrage näher befasst, erklärt der der Abwassergenossenschafts-Obmann und Landwirt Christof Themeßl. Man wollte eine gute lokale Abwasserlösung im ländlichen Raum finden, einerseits unter Einhaltung aller Normen volkswirtschaftlich günstig und zugleich effizient. Dazu wurden im Laufe der Jahre vier Studien gemacht, immer wieder gesamthafte Kostenvergleiche angestellt und Besichtigungen vor Ort bei guten Praxis-Beispielen gemacht. Das Abwasserkonzept wurde gemeinsam mit der Firma Steinbacher + Steinbacher ZT GmbH erstellt. Nach dem Erhalt des positiven Wasserrechtsbescheides Ende 2017 wurde mit dem Kanalbau im Frühjahr 2018 begonnen, bereits Ende Juni 2019 floss das Abwasser in die neue Pflanzenkläranlage. Deren Größe ist auf die Einwohnerwerte ausgelegt, hier sind es vier Quadratmeter pro Einwohner. Es gibt in Nölbling 140 Einwohner und 34 Hausanschlüsse.

Gute Kooperation

„Durch dieses gute Miteinander war die Umsetzung des Projektes so rasch und effizient möglich“, sagt der Genossenschaftsobmann. Wie er erklärt, habe man die kürzesten Wege gesucht und soweit nötig konnte Privatgrund für den Kanalbau in Anspruch genommen werden. Von der neu errichteten Dreikammergrube (Absetzbecken) unterhalb des Ortes, wo die festen Stoffe (mechanische Vorreinigung) getrennt werden und diese dort bis zur regelmäßig erfolgenden Klärschlamm-Entsorgung und Kompostierung verbleiben, wird das vorgereinigte Abwasser 200 m weiter zum Pflanzenbeet gepumpt (Eine mit Schilfrohr bewachsene, mit Kies und Sand in drei Schichten gefüllte Anlage, nach unten und nach außen abgedichtet).

Hier kommt das Abwasser aus einem Sammelschacht und wird mithilfe eines Ventils über Rohrleitungen intervall- und schwallweise eingeleitet und auf die Oberfläche verteilt. Bei dieser vertikalen Filtration des Bodenkörpers wird das Abwasser durch das Zusammenwirken von Pflanzen und Mikroorganismen gereinigt, dann wird es auf der Beetsohle durch Drainagerohre aufgefangen und weiter in den nahen Nölblingbach abgeführt, der in die Gail fließt. Die Pflanzen nehmen die Wasserinhaltsstoffe auf, die Wurzeln sorgen für Durchlässigkeit und damit für die Sauerstoffzufuhr. Der größte Teil der Reinigung erfolgt durch Mikroorganismen bzw. Bakterien, die im Bodenkörper leben. Das Wasser wird somit biochemisch, sprich „biologisch“ gereinigt.

Eigenleistungen

Themeßl erklärt, dass die Anlage eine relativ einfache Technologie aufweise und selbstverständlich auch im Winter funktioniere. Viele Eigenleistungen konnten erbracht werden. Wartung und Kontrolle brauche es, aber diese sei nicht sehr aufwendig.  Er sagt, dass solche Anlagen sehr preiswert im Bau und im Betrieb seien. Wichtig sei auch, dass die Bewohner umweltbewusst denken und handeln und nur das in den Kanal kommt, was vorgesehen bzw. auch erlaubt sei. Die Anlage werde ja als Genossenschaft gemeinsam betrieben, jeder fühle sich da auch mitverantwortlich, freut sich der Obmann, der sich mit den Ausschussmitgliedern laufend um die Sache kümmert. Er weist auch darauf hin, dass man mit den anderen Obleuten innerhalb der Gemeinde regelmäßig im Gespräch sei. Für den in der Dreikammerfaulanlage anfallenden Klärschlamm überlege man sich, diesen zu vererden und ein Vererdungsbeet zu errichten. Der Bürgermeister in Dellach, Johannes Lenzhofer, freut sich darüber, dass nachhaltige und kostengünstige Lösungen in der Abwasserfrage erzielt wurden. Er hebt die gute Zusammenarbeit der vier Genossenschaften untereinander und mit der Gemeinde hervor. Über die genauen Kosten könne man erst in einem Jahr sprechen. „Die Bürger beweisen jedenfalls sehr viel Engagement, Eigenverantwortung, Umweltbewusstsein und Gemeinschaftsgeist“.

Karl Brunner

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