Bauer mit vielen Talenten - Osttirol Online


Bauer mit vielen Talenten

Johann Salcher, Jg. 1940, aus Maria Luggau ist ein besonders talentierter und musischer Bergbauer und Handarbeiter. Im Lesachtal wird er, dem Hausnamen „Hansila“ folgend, kurz „Hansila Hansl“ genannt. Sein Haus und Hof stehen oberhalb der Basilika, von hier gibt es einen herrlichen Blick ins Tal und auf die Karnischen Bergkette im Süden.

Der „Hansila“ ist ein sehr freundlicher und stets hilfsbereiter Mensch, der gesundheitlich noch fit ist, aber lieber topfit wäre. Bereits als junger Bub hat er über mehrere Sommer verantwortungsvoll eine große Zahl an Rindern auf verschiedenen Almen gehütet. Salcher wäre gerne Tischler geworden, aber damals konnten ihm seine Eltern eine Lehre leider nicht ermöglichen. Durch sein großes handwerkliches Geschick und seinen Fleiß konnte er aber sehr viel Wichtiges und Großartiges zustande bringen. Holz hat es ihm angetan und er hat durch seinen Vater, durch seine Wissbegier und eigenes praktisches Tun sehr großes Können erworben. So baute er im Lauf der Zeit auch an die zehn neuen Mühlenräder aus Holz, diese haben in der Regel einen Durchmesser von 2,5 Meter - einmal wurde auch eines mit 3,5 m Durchmesser gemacht. Neben Reparaturarbeiten stellte er auch viele weitere Werkzeuge und Geräte im Zusammenhang mit Mühlen und Wasserbetrieben her.

„Mühlen- Retter“

In Luggau stehen fünf alte Wassermühlen. Dem 1973 gegründeten Mühlenverein, initiiert durch die damalige Volksschullehrerin Brigitte Lugger, war und ist es ein großes Anliegen, die bestehenden Mühlen am Trattenbach zu erhalten und zu revitalisieren. Dies gekonnt durchzuführen, was immer wieder einmal notwendig war, gelang Salcher meisterhaft. Er ist ein fleißiger Holzarbeiter und begnadeter Handwerker. Er ist auch ein sehr umsichtiger Mensch. Er war – heute würde man wohl sagen - ein „Multifunktionär“, doch einer im besten Sinn des Wortes. Ein Gemeinschaftsmensch, einer der idealistisch im Dienst der Gemeinschaft stand und dies gerne tat. So war er als Obmann der Wassergenossenschaft Luggau-Ost dreißig Jahre lang initiativ. Auf der „Samalm“ oberhalb von Luggau mussten damals neue Trinkwasserquellen gefasst werden, nachdem Unwetter die bisherigen Trinkwasserbehälter zerstört hatten. Dazu war auch ein Seilbahnbau – mit seiner Mitwirkung – erforderlich. Später, um Holz aus dem eigenen Wald herausbringen zu können, wurde ebenfalls eine Seilbahn errichtet, an deren Umsetzung er wesentlich beteiligt war. Um bei seinen Funktionen und Aufgaben zu bleiben, er war jahrelang Obmann der Agrargemeinschaft. Der „Hansila Hansl“ war auch derjenige, der sich als offizielle „Ansprechperson“ für die notwendigen Hofzufahrten in Oberluggau eingesetzt hat.

Gesang und Theater

Theaterspiel bedeutete ihm immer große Freude. Beim bekannten Weihespiel „Helena“ (Entstehung der Wallfahrt) spielte er auch mit und glänzte in der großartigen Rolle des Bischofs. „Ich bin bei allen Vereinen aktiv dabei gewesen, ob beim Volkstanz, bei der Feuerwehr, Musikkapelle, Theaterspielgruppe und auch beim MGV Lesachtal“, erwähnt er. Ein sozial eingestellter, vielseitiger Nachbarschafts-Helfer. Insbesondere leitete er 30 Jahre lang den Kirchenchor. Der begeisterte Sänger und Chorleiter war auch mehrere Jahre bei der örtlichen Musikkapelle aktiv, spielte Trompete und Flügelhorn. Auch aufs Geigenspiel (am Kirchenchor) verstand er sich gut.  Und eng verbunden mit Pfarre und Kirche war er zudem als langjähriges Mitglied des Pfarrgemeinderates. Er hat den damaligen Prior P. Gerhard dazu bewegen können, eine neue Orgel für die Wallfahrtskirche anzuschaffen, nachdem die alte schadhaft geworden war.

Salcher hat Haus und Hof vorbildhaft renoviert und modernisiert und pflegt auch seinen Wald. Kürzlich hat er für seine eigene „Hansila“-Mühle, sie liegt am Luggauer Mühlenweg, ein neues Mühlrad angefertigt. Diese über 200 Jahre alte Mühle war vor elf Jahren durch einen Brand innen völlig zerstört worden, nach und nach hat Salcher alles wieder orginal und eigenhändig nach- und aufgebaut, um sie wieder voll funktionsfähig zu machen. Im Obergeschoss seiner Mühle befindet sich auch ein kleines Museum, in dem Arbeitsgeräte und Werkzeuge von früher zu besichtigen sind. Er und seine Gattin Maria haben den stattlichen Bauernhof (mit Privatzimmervermietung) an ihre einzige Tochter übergeben, an Jungbäuerin Maria Bernadette Salcher, die eine herausragende, vielgefragte Sängerin und Musiklehrerin (Geigenvirtuosin) ist.

Karl Brunner

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