950 Jahre Stift Millstatt - Osttirol Online


950 Jahre Stift Millstatt

In der Marktgemeinde Millstatt würde man heuer das 950. Bestandsjahr des imposanten Stiftes Millstatt feiern, doch aus den bekannten Gründen wurde es verschoben.

Wie Bürgermeister DI Johann Schuster sagt, wurden die geplanten Großveranstaltungen auf 2021 verschoben. Aber das Jubiläum wird man an kleineren Ereignissen und Hinweistafeln bemerken können. Kultur wird es dennoch geben, weil Anbieter ihre Programme der Situation angepasst haben. So sehen auch die Musikwochen einen Kunst- und Kulturauftrag, den sie mit Vielfalt und hoher Qualität des Programms bestreiten werden, wie Obmann Josef Pleikner und der künstlerische Leiter Bernhard Zlanabitnig sagen. Gitarrenfestival, „KUNSTradln“, Textilkunst-Workshops, Ausstellungen und Workshops in der Alten Schule, uvm. bereichern das Sommerprogramm. Erfreulich und wichtig auch dies: Millstatt bekennt sich zur Erhaltung der traditionell gewachsenen Siedlungsstruktur. Durch Bebauungspläne und klare Regelungen will man Qualitätsverbesserungen erreichen und großmaßstäbliche Bauvolumina vermeiden, alles auch unter Beachtung des Orts- und Landschaftsbildes.

Religiöses Zentrum

Franz Nikolasch informiert im Kirchenführer „Millstatt“ zur örtlichen Geschichte und den Kunstwerken. Die einzigartige Stiftskirche birgt viele Kunstschätze. Der Kreuzgang ist ein herausragendes romanisches Baudenkmal und im Stiftsmuseum befinden sich ganz besondere Schätze und Kostbarkeiten. Museumsgründer war Univ. Prof. Franz Nikolasch, Liturgiewissenschaftler und Seelsorger, der auch die Millstätter Orgelwochen (Vorläufer der Musikwochen) initiiert hat.

Um 1070, das genaue Datum ist nicht bekannt, wurde von den beiden Brüdern Aribo und Poto aus dem Geschlecht der Aribonen das Benediktinerkloster in Millstatt gegründet. Gemeinsam mit der Gattin des Aribo Luitgard überließen sie dem Kloster umfangreiche Besitzungen in Ober- und Mittelkärnten, im Pinzgau sowie in Friaul. Nach der Zerstörung durch einen Brand wurde der Neubau von Kloster und Stiftskirche von Abt Otto I. (1122/24 – 1166) in Angriff genommen. Damals fand man die Reliquien des hl. Domitian, seiner Frau Maria sowie eines Kindes, die zur Verehrung in einem Schrein aufbewahrt wurden. Das Benediktinerkloster war in religiöser und kultureller Hinsicht das Zentrum Oberkärntens. 1469 wurde Johann Siebenhirter als erster Hochmeister des St. Georg-Ritterordens in sein Amt eingeführt. 1598 erfolgte die Auflösung des Ordens und die Übergabe der Besitzungen an den Jesuitenorden.

Ortspatron Hl. Domitian

Die Herrschaft Millstatt umfasste ausgedehnte Besitzungen in Kärnten und auch in der Steiermark. Die Jesuiten legten großen Wert auf die Verehrung des Ortspatrons, des heiligen Domitian, dessen Wirken als Missionar in Karantanien fällt in die Zeit von Kaiser Karl des Großen (Ende des 8. und Anfang des 9. Jhts.). Übrigens: Giorgio Igne (1934-2020), ein italienischer Bildhauer, schuf die über vier Meter hohe Statue des legendären Domitian und Ortsheiligen im See vor dem Schillerpark.

1773 wurde der Jesuitenorden aufgehoben, der Besitz ging in staatliche Verwaltung über. Heute ist das Stift Sitz des Forstbetriebes und eine Großimmobilie, die von den Bundesforsten für die Republik als kulturhistorisches Erbe bewahrt wird. Ein beeindruckendes historisches Bauwerk nebenan ist der großartig revitalisierte Lindenhof, wobei es sich um das ehemalige Hochmeisterschloss des St. Georg-Ritterordens handelt, errichtet vom ersten Hochmeister Johann Siebenhirter. Es bildete ursprünglich mit dem Stift eine Wehreinheit.

Karl Brunner

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