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„Grenzgang“ heißt die
Kriegsausstellung, die
das Süd- und Osttiroler
Pustertal in der Zeit
von 1914 bis 1918
porträtiert. Beteiligt
daran sind bis 28. Sep-
tember zeitgleich Brun-
eck, Sexten, Sillian und
Kartitsch. Die Schau
wurde vom Tiroler
Archiv für Photographi-
sche Dokumentation
und Kunst (TAP) initi-
iert. TAP-Leiter Martin
Kofler im Interview.
Wie sehr sind die Menschen
heute noch an der Geschichte
des ErstenWeltkrieges interes-
siert?
Kofler:
„Aufgrund der viel-
fältigen Berichterstattung in
den Medien zum Thema ‚100
Jahre Kriegsausbruch 1914’
sind die Menschen mittler-
weile sehr sensibilisiert. Außer-
dem war jede Familie vom
Krieg betroffen: durch gefal-
lene oder verwundete Familien-
mitglieder oder diverse Not-
situationen.“
Wie sehr berührt Sie per-
sönlich der Erste Weltkrieg?
Kofler:
„Ich habe persönlich
in unseren privaten Fotoalben
nachrecherchiert und bin da auf
meinen in der 12. Isonzofront
gefallenen Großonkel gestoßen,
daneben befindet sich ein Foto
meines Großvaters väterlicher-
seits, der im Nachschub zum
Glück überlebt hat. Die 100
Jahre sind nicht unbedingt weit
weg. Und wenn man die Lite-
ratur oder die Lichtbilder kon-
sultiert, ist das Aufgefundene
oft schockierend und tragisch.
Das berührt sehr.“
Was erinnert heute im Süd-
und Osttiroler Pustertal noch
an den ErstenWeltkrieg?
Kofler:
„Abseits diverser
Reste von Stellungen an der
Dolomitenfront vom Karni-
schen Kamm bis Col di Lana
oder besuchbaren Freiluft-
Orten wie der Sextener Rot-
wand sind es vor allem Krieger-
denkmäler und Friedhöfe. Am
eindrucksvollsten bzw. nach-
denklich macht das Bezirks-
kriegerdenkmal bei St. Andrä
in Lienz oder der Waldfried-
hof (Kriegerfriedhof) neben
Schloss Bruneck.“
Wie viele Pustertaler muss-
ten in den Krieg ziehen?
Kofler:
„Da streiten sich bis
heute die Geister, weil hier die
Quellenlage eine schwierige ist.
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Österreichische Feldwache beim Settsass/Gadertaler Dolomiten 1916.
(Fotograf: Anton Trixl; Sammlung Werkmeister Anton Trixl – TAP)
PUSTERTAL
:
PUSTERTALER VOLLTREFFER
JULI/AUGUST 2014
Martin Kofler.
Foto: Bernd Lenzer
Das zerstörte Sexten 1917/18. (Fotograf: Anton Trixl; Sammlung Werkmeister Anton Trixl – TAP)
Open-Air-Ausstellung dokum