Mag. Martin Müller (Neusach) - Osttirol Online


Mag. Martin Müller (Neusach)

Eingestellt am 05.10.2018

Mag. Martin Müller 46 ist seit 2004 Berufsfischer. Angelguiding, Seefischerei, Fischökologie & Fischzucht gehören zu seinem Arbeitsgebiet. Dabei begegnet er den Organismen und Ökosystemen mit größtem Respekt. Mag. Martin Müller lebt mit Ehefrau Barbara in Neusach, hat zwei Kinder.

OVT: Herr Mag. Müller, welche Fische sind im Weissensee heimisch?

Mag. Martin Müller: Ursprünglich besiedelten den Weißensee die Seeforelle, der Aitel, der Gründling, die Elritze, die Rotfeder, das Rotauge, die Schleie und der Seesaibling. Viele hunderte Jahre dominierte die Seeforelle als einziger Raubfisch den Weissensee, der als Paradebeispiel eines Seeforellensees gilt. In den 1970er bzw. 1980er Jahren ist diese jedoch ausgestorben. Der Grund dafür lag in der Veränderung der Fischartenzusammensetzung in den letzten Jahrzehnten. Die Seeforelle wurde dadurch mit völlig neuen Rahmenbedingungen konfrontiert, denen sie nicht gewachsen war. Ein großes Ziel ist der Wiederaufbau einer gesunden Seeforellenpopulation.

Welche Köder verwenden Sie gern? Haben Sie auch Lieblingsplätze?

Jede Fischart erfordert spezielle Köder. Es gibt Unmengen davon und jeder Angler hat einige denen er besonders vertraut. Meine Lieblingsplätze liegen abseits des Trubels im Ostteil des Sees. Nicht weil dort mehr Fische sind, sondern weil hier der Weissensee sehr naturbelassen ist und ganz besondere Erlebnisse bieten kann.

Das Thema „Wildfang oder Zucht“ ist nicht unwichtig. Wie sehen Sie das?

Wenn die Seefischerei professionell betrieben wird ist diese hundertprozentig nachhaltig und liefert Lebensmittel auf höchstem Niveau. Bei der Forellen- und Saiblingszucht sind wir derzeit noch auf Fischmehl und Fischöl als Eiweiß- und Fettlieferanten angewiesen. Die Bilanz sieht so aus, dass man zwischen 2 und 3 kg Meeresfische braucht, um 1 kg Forellen zu produzieren. Außerdem finden sich im Fischfutter Antioxidantien die bekanntermaßen für den Menschen durchaus problematisch sind Ethoxyquin. Ohne industrielles Fischfutter funktioniert eine Forellenzucht aber nicht. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass in einigen Jahren auch eine nachhaltige Forellenzucht möglich sein wird. Dafür braucht es aber die nötigen Rahmenbedingungen vernünftige politische Entscheidungen und kritische Konsumenten. Im Gegensatz zur Forellenzucht kann die Karpfenteichwirtschaft auch heute schon nachhaltig produzieren.

Angelguiding, Seefischerei, Fischökologie & Fischzucht. Wie setzen Sie ihre Schwerpunkte?

Angelguiding und Seefischerei finden schwerpunktmäßig von Mai bis Oktober statt. Die Fischökologie schwerpunktmäßig von Oktober bis Mai. Die Fischzucht Seeforellen und Seesaiblinge als Besatzfische für den Weissensee ist ganzjährig zentrales Thema.

Jedoch sind alle Bereiche gleich wichtig und es stellt sich nicht die Frage, was lukrativer ist. Mein Arbeiten und Handeln müssen für mich sinnvoll und in jeder Hinsicht vertretbar sein.

Wie kann man Berufsfischer werden?

Wer mit Fischen arbeitet, macht dies aus Leidenschaft. Es ist nicht einfach ein Job, den man halt macht, um Geld zu verdienen. Berufsfischer zu werden ist heute aber fast unmöglich. Entweder man erbt ein Fischereirecht, oder man kauft sich eines. Dann kann man es sich auch leisten andere für sich fischen zu lassen oder man muss auf sehr viele glückliche Zufälle hoffen. Ich habe meinen Werdegang vielen großartigen Menschen zu verdanken, vor allem aber der Agrargemeinschaft der fünf Dorfschaften vom Weißensee. Die Besitzer des einzigen Fischereirechtes am Weißensee und Seebewirtschafter. Ich denke, wir haben eine Symbiose geschaffen von der der Weißensee selbst als auch die ganze Region profitieren. Eine Ausbildung zum Fischereifacharbeiter und Fischmeister ist möglich und wird in Scharfling am Mondsee vom Bundesamt für Wasserwirtschaft angeboten.

Mit welchen öffentlichen Auflagen hat man zu tun?

Ich wurde und werde natürlich, so wie sehr viele andere auch, immer wieder mit sehr kreativen Auflagen konfrontiert z.B. Veterinärwesen in der Fischzucht, Lebensmittelkennzeichnung und Verkauf von Produkten. Da fragt man sich dann schon hin und wieder, wer sich sowas ausdenkt.

Ein gesundes Ökosystem ist Ihnen wichtig. Merken Sie im Weißensee durch die Klimaveränderungen auch Auswirkungen auf Fische und Wasser?

Es gibt sehr gute Datensätze, die belegen, dass die österreichischen Seen innerhalb der letzten dreißig Jahre im Mittel deutlich wärmer geworden sind. Das wirkt sich natürlich auf jedes Ökosystem aus. Manche Arten profitieren davon, andere leiden darunter. Im Weißensee sind zum Beispiel vom Jahr 2015 auf das Jahr 2016 die Armleuchteralgen großflächig abgestorben. Vermutlich auf Grund der außergewöhnlich hohen Wassertemperaturen in den Sommermonaten 2014 und 2015. Auf alle Fälle wird sich in den nächsten Jahren noch sehr viel in unseren Gewässern tun. Es werden sich neue Gleichgewichte einstellen. Ob diese in unser Wunschdenken passen bleibt abzuwarten.

Foto: Johannes Puch


Sternzeichen: Schütze

Beruf: Berufsfischer & Ökologe

Lieblings-filme: Forrest Gump, Chocolat

Lebensmotto: Es geht nicht darum wieviel man hat, sondern mit wie viel man zufrieden ist.

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