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Am 21. November 2016 jährt sich

der Tod Kaiser Franz Josephs I.

zum hundertsten Mal. Mit seinem

Ableben wurde der letzte Ab-

schnitt der durch Jahrhunderte

währenden Herrschaft der Habs-

burger in Österreich eingeleitet.

Franz Josephs Besuche im Bereich

des heutigen Bezirks Lienz und

weitere Berührungspunkte spe-

ziell einheimischer Künstler sollen

hier herausgegriffen werden.

Meldungen vom Tod Kaiser

Franz Josephs I.

In den frühen Morgenstunden

des 22. November 1916 traf bei

der k. k. Bezirkshauptmannschaft

in Lienz die Meldung vom über-

raschenden Ableben des Kaisers

ein, der im 87. Lebensjahr stand.

Er war am vorhergehenden Tag

kurz nach 20 Uhr in Schloss

Schönbrunn an den Folgen einer

Lungenentzündung im Beisein des

engsten Familienkreises mit den

Töchtern Gisela und Marie Valerie

verschieden. In der gesamten Mo-

narchie schlug die Meldung wie

eine Bombe ein.

In der nächstfolgenden Nummer

der Lienzer Nachrichten, die am

28. November erschien, wird über

das traurige Ereignis und die un-

mittelbar darauf folgenden Ereig-

nisse in Lienz berichtet.

1

Bedauert

wurde, dass von der Militärbehörde das für

das gesamte Pustertal verhängte Verbot,

die Kirchenglocken zu läuten, trotz mili-

tärischer Erfolge an der Südfront noch

nicht aufgehoben worden war:

„Der Tod des Kaisers hat auch hier tief

in die Volksseele hineingegriffen. Was man

nicht glauben wollte, fast nicht glauben

konnte, ist traurige Wirklichkeit geworden;

wir haben den guten, greisen Kaiser ver-

loren, er ist von uns gegangen. Als Waisen

stehen wir an seiner Bahre. – In den frü-

hen Morgenstunden, welche dem Todes-

tage folgten, ging hier die Trauernachricht

kirche war am 28. ds. Dienstag,

vormittags um 9 Uhr. Sämtliche

Schulkinder fanden sich am näm-

lichen Tage um halb 8 Uhr eben-

falls in der Stadtpfarrkirche ein,

um für den Kaiser zu beten.“

Der Lienzer Gemeinderat hatte

bereits Tage zuvor eine Trauersit-

zung abgehalten:

3

„Trauerkundgebung des Ge-

meinderates. Der Gemeindeaus-

schuß hat in einer eigens einberu-

fenen Sitzung vom 23. November

den Gefühlen der Trauer über das

Ableben Sr. Majestät unseres aller-

gnädigsten Kaisers Franz Joseph I.

Ausdruck verliehen und diese

Kundgebung der k. k. Bezirks-

hauptmannschaft Lienz zur Kennt-

nis gebracht.“

Im ganzen Land wurden Trauer-

veranstaltungen durchgeführt, so

auch in Lienz:

4

„Trauerkundgebung im kath.

Vereinshause anlässlich des Todes

des Kaisers Franz Joseph. Die

kath. Vereine in Lienz hatten es

sich zur Ehrenaufgabe gesetzt, den

Tod des großen Kaisers von Oes-

terreich öffentlich zu betrauern.

Diese Aufgabe wurde am 3. De-

zember in schlichter Weise, aber

doch voll aufrichtiger und wohl-

tuender Wärme, vollbracht.“

An der Feierlichkeit, bei der auf

der Bühne eine Kaiserbüste stand,

die von Jugendlichen flankiert wurde, nah-

men zahlreiche Ehrengäste teil. Es wurden

mehrere Reden gehalten, Kinder sagten Ge-

dichte auf und Lieder wurden gesungen.

Der Schluss scheint besonders beeindru-

ckend gewesen zu sein. Dabei brachte ein

Mädchen, in schwarzen Kleidern, „Das Ver-

mächtnis des Kaisers“ zum Vortrag und

legte einen Kranz zu Füßen der Kaiserbüste.

„Die Bühne erstrahlte in Rot, während

der Saal in Dunkel gehüllt war, und die Wei-

sen des Harmoniums gingen von der Stim-

mung der Trauer über in die Melodie der

selig Verklärten im Jenseits. Der Vorhang

NUMMER 11/2016

84. JAHRGANG

OSTTIROLER

HEIMATBLÄTTER

H e i m a t k u n d l i c h e B e i l a g e d e s „ O s t t i r o l e r B o t e “

Offizielles Porträt aus den späten Regierungsjahren des Kai-

sers, das in allen Ämtern und Schulen hing; dieses Exemplar

befand sich in der ehemaligen Gemeindekanzlei von Patrias-

dorf; Chromolithographie im Format 79 x 63,5 cm.

(Privatbesitz)

Foto: Meinrad Pizzinini

Meinrad Pizzinini

Kaiser Franz Joseph I. und Osttirol

Der legendäre Monarch starb nach 68 Regierungsjahren am 21. November 1916

herum und verbreitete sich rasch. Etwas

vorsichtig geworden durch manche ver-

frühte Meldung, glaubten wir es erst not-

gedrungen, als die schwarzen Flaggen das

Amtsgebäude des Herrn Bezirkshaupt-

mannes verdüsterten und bald darnach an

den Kirchtürmen und an einzelnen Privat-

häusern erschienen. … Beim Herrn

Bezirkshauptmann Rossi

2

fanden sich die

Spitzen der Aemter und Behörden ein, um

das Beileid auszudrücken. – Die Sterbe-

gottesdienste in der Franziskanerkirche

wurden bereits am 23 ds. abgehalten. Der

feierliche Sterbegottesdienst in der Pfarr-