"Übergröße" und "normal": Realistische Mode-Kategorien? - Osttirol Online


"Übergröße" und "normal": Realistische Mode-Kategorien?

Dass Models oft wesentlich dünner sind als der Durchschnitt der Bevölkerung, ist keine neue Erkenntnis. Allerdings ist seit einigen Jahren auch auf den Laufstegen eine gewisse Diversität zu beobachten, und neben gertenschlanken präsentieren dort auch Plus Size Models die neuesten Kollektionen. Doch nicht nur die Trends und Idealvorstellungen ändern sich: Sogar der menschliche Körper selbst hat sich in den letzten Jahrzenten gewandelt.

Wie derstandard.at berichtet, sind Männer heute im Schnitt 3,2 Zentimeter größer als noch vor 23 Jahren; Frauen haben seit 1994 einen Zentimeter zugelegt. In der gleichen Zeit hat sich der Brustumfang von Frauen durchschnittlich um 2,3 Zentimeter geweitet, der von Männern sogar um 7,3 Zentimeter. Die Taille ist bei Frauen und Männern jeweils über 4 Zentimeter breiter geworden.

Dennoch herrscht in der Modewelt die Vorstellung, Frauenkleidung über Größe 42 sei etwas Außergewöhnliches, wird sie doch oft als "Übergröße" bezeichnet. Entsprechend klein ist das Angebot für diese Zielgruppe. Doch wenn selbst junge Frauen aufgrund ihrer Maße als "nicht der Norm entsprechend" klassifiziert werden, ist das ein Problem, betont Karin Cerny vom Standard. "Keine Frage, über die Kleidergröße schaffen die Labels ein Idealbild ihrer Kundinnen: Die Frauen müssen sich den Kleidern anpassen, nicht die Kleider den Frauen", so Cerny. Da es für stärkere Menschen schwer sein kann, modische Kleidung zu finden, überrascht es nicht, dass sich einige Modehäuser wie Ulla Popken, das seit 1987 junge Mode in großen Größen anfertigt, auf eben diese Zielgruppe spezialisiert haben.

Diese Expertise ist wichtig, denn Kleidung für große Größen muss je nach Kleidungsstück eigens proportioniert werden. Das gilt insbesondere für hochfunktionale Teile wie Sportswear oder Wäsche sowie festliche Kleidung, aber auch für Alltagskleidung wie Jeans und Blusen. Wer es sich leisten kann und nicht fündig wird, kann zwar zu maßgeschneiderter Kleidung greifen, doch ein verbessertes Angebot ermöglicht es, mehr Kleidung in der passenden Größe in weniger hohen Preisklassen zu finden.

Ähnliche Zustände wie bei den Frauen herrschen bei der Herrenmode. Männer haben ab einer bestimmten Konfektionsgröße ebenfalls Schwierigkeiten, das Passende zu finden, wenn sie sich nicht direkt an Shops wie das erwähnte Ulla Popken wenden. Das bestätigt auch Claus Fleissner, männliches Plus Size-Model, im Interview mit der deutschen Website m-maenner.: "Ich selbst bekomme nur mit Glück in den Geschäften, Boutiquen und Mode-Ketten in den Einkaufsstraßen die Kleidung, die ich möchte. Daher bestelle ich vieles im Internet." Auf seinem Blog www.extra-inches.de stellt das bei der deutschen Agentur "Curve" unter Vertrag stehende Model seine Lieblingslooks und sein Jet-Leben vor und berichtet über Neuigkeiten aus der Fashion-Welt.

 

 

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Eingestellt am 15.03.2017

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