„Auch Krawattenträger sind Naturereignisse“ - Osttirol Online


„Auch Krawattenträger sind Naturereignisse“

Die Vorgänge des Lebens auf dem Lande hat er einmal mehr scharf im Blick: der in Hermagor lebende und aus dem Lesachtal stammende Schriftsteller Engelbert Obernosterer.

Obernosterer (Jg. 1936) verfasste jetzt weitere Prosa-„Miniaturen“, die aktuell als Buch mit dem Titel „Auch Krawattenträger sind Naturereignisse“ beim Wieser Verlag erschienen sind. Den Stoff bezieht der Autor aus der direkten Umgebung sowie aus der erinnerlichen, sehr strengen, wortkargen Kindheit im Lesachtal und den dortigen Naturereignissen, zu denen auch die Naturen einzelner Bewohner gehören. Damals war Arbeit immer „zielgerichtet, sie war der Inbegriff des Sinnhaften“, erinnert er. Durch das Schreiben wühlt sich Obernosterer „durch das Oberflächengeröll der lokalen und beruflichen Wichtigkeiten durch, hinab in Richtung Kind, das ich hätte sein mögen“.

Persönliche Befunde

Er beschreibt kühl-distanziert und präzise die Abläufe und Verhältnisse zwischen den Menschen und jene zu ihren Gegenständen, zu Kultur und Natur und Alltagsproblem(-chen). Die Beschreibungen und Analysen sind ungewöhnlich, eigenwillig, desillusionierend und sorgen oft für Verblüffung und Schmunzeln. In die Sprache packe er alles ein, „was ich zu sagen und zu erzählen habe, auch das so genannte Vergangene“, hielt er an anderer Stelle einmal fest. Er schildert viele persönliche Befindlichkeiten und Befunde, so wird beispielsweise deutlich, dass er nicht allzu großen Spaß am Heimwerken in oder an seinem alten Bauernhaus hat.

Längst ein Routinier

Im Buch findet sich auch - köstlich und nachdenklich zu lesendes - Anekdotisches und Sentenzhaftes, wie z. B: „Indem ich schreibe, errichte ich mein eigenes Jenseits. Himmel, Hölle und Fegefeuer habe ich bereits in mir“. Philosophisch-erkenntnisreich beschreibt er auch den Weltenlauf, wie folgt: „Am Anfang war das Wort, am Ende steht die Zahl“. Er erwähnt die „Verstiegenheit“ seiner früheren Jahre und schreibt, dass er nunmehr bei seinem 19. Buch fast zu einem Routinier in der Literaturszene geworden ist, während er sich lächerlich und wie überfordert fühlte, als er die ersten Autogramme geben musste. Deswegen sei es an der Zeit, die Szene zu verlassen, schlussfolgert er. Der Leser aber will hoffen, dass dem nicht so ist und der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller Obernosterer weiterhin „vom Leben und der Welt“ schreiben und viel köstlich-nachdenklichen Lesestoff liefern möge. Übrigens: Seine erste Veröffentlichung war „Ortsbestimmung“ (1975).

Karl Brunner

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