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Erstmals Aktbilder in Schloss Bruck zu sehen

Besonders aktuell ist die Sonderausstellung „Bedrohung und Idylle“, die auf Schloss Bruck eröffnet wurde. Denn vor über 60 Jahren und auch heute ist von Wirtschaftskrise und Umbruch die Rede. 106 Bilder von 53 Künstlern sind zu sehen, die diese Umbrüche in ihren Bildern dokumentierten. Zum ersten Mal werden im Museum der Stadt Lienz auch Akte gezeigt.

Während sich andere Tiroler Museen heuer mit den Themen Andreas Hofer und Freiheitskampf beschäftigen, widmet sich das Museum der Stadt Lienz den wechselhaften Jahren von 1918 bis 1938 – vom Zerfall des Kaiserreichs bis zum Einmarsch Hitlers in Österreich. In dieser Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg herrschte aber nicht nur Bedrohung, Angst und Schrecken, sondern auch Um- und Aufbruchsstimmung, Sehnsucht nach Idylle. Diese facettenreichen Stimmungen bannten zahlreiche Künstler der damaligen Zeit auf ihre Leinwände. 53 von ihnen wurden ausgewählt, Teil der heurigen Sonderausstellung von Schloss Bruck zu sein.

Seltene Ausstellung

„Die Künstler hielten den Menschen mit diesen Bildern den Spiegel vor. So eine Ausstellung war in Lienz noch nie zu sehen und so schnell werden wir das auch nicht mehr zustande bringen“, erklärte Bgm. Dr. Johannes Hibler bei der Eröffnung im Schlosshof. Er dankte den teilweise weit angereisten institutionellen und privaten Leihgebern für ihr Vertrauen und Entgegenkommen. Die meisten Bilder hatte die Universität für angewandte Kunst in Wien zur Verfügung gestellt.

Univ.-Prof. Dr. Gert Ammann, der mit Kunsthistoriker Dr. Karl Craus das Ausstellungskonzept und den knapp 130-seitigen Katalog gestaltet hatte, klärte, warum die „Dame in Weiß“ das Titelbild ziert. „In Sergius Pausers Bild kommen die wichtigen Positionen wie Bedrohung, die innere Isolation der Künstler in den 30er Jahren aber auch Idylle besonders zum Ausdruck. Das Sujet ist richtungweisend für die ganze Ausstellung.“ Am Beginn begrüßen den Besucher Malerselbstbildnisse, auch von Lienz’ berühmtestem Sohn Albin-Egger-Lienz. Am Ende steht Oskar Kokoschkas „Alice im Wunderland“. „Trotz konservatorischer Bedenken konnte das Bild dank der Hartnäckigkeit von Ausstellungsleiterin Silvia Ebner doch nach Lienz geholt werden“, so Ammann, der die zurückhaltende Gestaltung von Architekt Dipl.-Ing. Gerhard Mitterberger und Jutta Moosbrugger lobte, „denn so kommen die Bilder besser zur Wirkung.“

Aktbilder

Zum ersten Mal werden auch Akte im Rahmen einer Ausstellung ausgestellt, z. B. von Georg Merkel „Aktmodell mit Maler und Clown“ (1930), ein „Liegender männlicher Akt“ von Anton Kolig (um 1939), Josef Floch’s „Mann mit Hund“ (1928) oder „Katja“ von Georg Jung (1927). Ohne Sponsoren wäre die Schau aber nicht möglich gewesen. „Wir sehen in Kunst und Kultur einen hochkarätigen Faktor, den wir unterstützen wollen. Es möge gelingen, viele Menschen in ihren Bann zu ziehen“, hoffte Dr. Hannes Schmid, Sprecher des Vorstandes der Raiffeisen-Landesbank Tirol. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von Per Sonare mit einer Collage aus Musik der 1920er und 1930er Jahre. Nach einem ersten Rundgang stärkte man sich am Buffet von Caterer Roman Kraler.

Kunst & Kultur 23.05.

Zum Rahmenprogramm gehört neben angebotenem Filmmaterial und Literatur auch die Selbstgestaltung. Kleine und große Ausstellungsbesucher können sich ihr Bild selbst zusammenstellen. Foto: goller