Osttirol Online

Jeder Fünfte probiert zumindest einmal illegale Drogen

Schon jeder fünfte Osttiroler hat schon illegale Suchtmittel konsumiert. Der Verein BIT in Lienz möchte seine Angebote erweitern und den Osttirolern das „Jointrauchen“ abgewöhnen.

„Wenn man die aktuellen Daten des „Berichtes zur Drogensituation in Österreich“ auf Osttirol umrechnet, so hat fast ein Fünftel der heimischen Bevölkerung schon einmal Cannabis konsumiert. Bei den jungen Erwachsenen steigt der Wert auf bis zu 40 %. Bei anderen Substanzen sind die Werte deutlich geringer und liegen bei maximal zwei (Heroin) bis vier Prozent („Ecstasy“, Amphetamine, Kokain) der Bevölkerung“, berichtet Dr. Dietmar Kamenschek, Klinischer Psychologe vom Verein BIT mit Sitz in allen Bezirksstädten Tirols.

Drogenkonsum in allen Schichten

„Drogenkonsum und Drogensucht findet sich auch im Osttirol in allen Altersgruppen und allen gesellschaftlichen Schichten", so MMag. Elisabeth Pfeiffer von der Beratungsstelle in Lienz.

Wenn man diese Schätzungen auf ganz Tirol umlegt, so hatten bereits 130.000 bis 160.000 Tiroler Kontakt zu illegalen Drogen. Da die meisten von diesen nicht durch gesetzliche oder gesundheitliche Probleme auffallen, merkt niemand diesen Drogenmissbrauch. Etwa 150 Osttiroler sind allerdings amtlich durch ein Vergehen erfasst. Von diesen wendet sich rund ein Drittel an das BIT. Die restlichen 100 Personen wollen keine Beratung. Die meisten werden aufgrund gesetzlicher Auflagen von der Bezirkshauptmannschaft Lienz, von Gerichten oder Ärzten zur Beratung geschickt.

„Es stimmt sicher nicht, dass diese Personen an ihrer Situation nichts verändern wollen. Die meisten haben aber aus gesellschaftlichen Gründen nicht die Möglichkeit dies zu tun“, meint Kamenschek.

Derzeit werden von der BIT-Drogenberatung in Lienz 20 bis 30 Klienten betreut.

Angst vor Stigmatisierung

In Osttirol dürfte die Hemmschwelle eine Beratungseinrichtung aufzusuchen besonders groß sein, anders ist die geringe Quote nicht zu erklären. Kamenschek betont: „Besonders im ländlichen Raum ist die Angst vor der Stigmatisierung sehr groß.“

Der Verein BIT in der Rosengasse in Lienz bietet kostenlos und anonym drogengefährdeten und -abhängigen Menschen sowie deren Angehörigen fachliche Information, Beratung und Betreuung an. „Angehörige und Freunde der Betroffenen sollen uns helfen die Probleme, die meist dahinter stehen, herauszufinden und zu lösen“, meint Pfeiffer.

Streetworker gefordert

Kamenschek sieht das Hauptproblem darin, dass in Osttirol zu wenig Betroffene mit den vorhandenen Möglichkeiten erreicht werden. „Wir sind daher überzeugt, dass die Erreichbarkeit verbessert gehört und ein „Streetworker“ eine Vor-Ort-Betreuung in Jugendzentren übernehmen soll.“ 



Chronik 08.02.

MMag. Elisabeth Pfeiffer von der Beratungsstelle in Lienz und Dr. Dietmar Kamenschek, Klinischer Psychologe aus Innsbruck vom Verein BIT.