Nun sprudelt Thermal- und Heilwasser aus dem Bohrloch in St. Jakob i. D. Die Menge scheint ausreichend für eine Verwertung zu sein. Projektbegleiter Dr. Lorenz Eichinger hält den Bau eines kleines Thermalbades für ideal. Das Wasser könnte ein weiteres touristisches Standbein für das Defereggental werden.
Nach langer Durststrecke konnte Dr. Lorenz Eichinger, Geschäftsführer der deutschen Hydroisotop GmbH, nun Erfreuliches verkünden: Das bei Tiefenbohrungen entdeckte Wasser sprudelt, und es handelt sich nicht nur um Heil-, sondern auch um Thermalwasser. Selbst die Menge erscheint nun mit höchstens 0,28 Litern pro Sekunde ausreichend zu sein, um ein Thermalbecken zu befüllen. Denn man muss es aufgrund der hohen Konzentration an Mineralinhaltsstoffen sogar mit normalem Wasser strecken.
„Damit Wasser den Thermalwasserstatus erlangt, muss es am Brunnenkopf über 20 Grad haben. Und das hat es in St. Jakob jetzt. In der Lagerstätte - rund 1.500 bis 1.900 Meter unter der Erde - misst es sogar 55 Grad. Das bedeutet, es ist ein sehr gut geschütztes Wasser“, freuen sich der Experte und der Chef der Deferegger Thermalwasser Aufschließungs- und Bohrungs GmbH, Egon Kleinlercher.
Warum sprudelte das Wasser erst jetzt? „Wir mussten auf Geld warten, um eine Pumpe und ein Rohrsystem einbauen zu können. Und das ist jetzt erfolgt.“ Mit Wahlkampf, wie manche meinen könnten, habe das nichts zu tun (Eichinger: „Der ist mir wurscht“).
2,3 Mio €
Den Brunnenkopf kann man sich als Wasserhahn vorstellen. „Es ist die letzte Stelle, die das Wasser passiert, bevor es auf unsere Hände gelangt“, erklärt Eichinger, der von Anfang an das mittlerweile sechsjährige Projekt begleitet. Manchen schwand allerdings zwischendurch die Hoffnung auf Erfolg. „Ja, es gab Verzögerungen. Schon alleine wegen des mangelnden Geldes“, erläutert der Experte. „Außerdem gibt es weltweit nur wenige Tiefenbohrungen, die planmäßig laufen, weil man auch nie genau sagen kann, welche Hindernisse unter der Erde auftauchen.
Bislang flossen knapp 2,3 Mio € in das Projekt. Sie stammen großteils aus den Kassen der 26 Gesellschafter. Das Land Tirol, Hoteliers, die drei Deferegger Gemeinden, die Agrargemeinschaft, der Tourismusverband, Privatzimmervermieter und weitere Geldgeber sind beteiligt.
„Es kann losgehen!“
„Das Wasser ist jetzt da und wird ewig fließen. Allerdings kommen täglich nur bestimmte Mengen zusammen. Maximal ein Kubikmeter pro Stunde ist förderbar. Klar, das ist keine Riesenmenge. Aber sie reicht völlig aus, damit sich der Tourismus im Defereggental mit dem Wasser ein weiteres Standbein aufbauen kann“, zeigt sich Eichinger überzeugt. Das Wasser ist besonders hoch konzentriert. „Also mit einer relativ hohen Mineralisation von rund 20 Gramm pro Liter. Wir haben es mit einem Natrium-Calcium-Chlorid-Wasser zu tun, geprägt von Jodid. Also ideal zum Verbaden, für äußerliche Anwendungen. Vor allem bei Problemen rund um die Haut wirkt es sehr gut, von Neurodermitis bis hin zur Wundheilung.“
Kleines Bad
Zu Ostern wollen sich die Gesellschafter zusammensetzen, um die konkrete Verwertung im Rahmen eines Workshops festzulegen. Experte Eichinger erachtet den Bau eines Thermalbades als optimal. „Allerdings eines kleinen, schnuckeligen. So wie das Radon Revital Bad in St. Blasien im Schwarzwald. Die deutsche Gemeinde ist mit St. Jakob absolut vergleichbar. Auch dort leben die Menschen vom Skifahren, Wandern und Biken. Auch dort gibt es ähnlich viele Hotels und Privatzimmervermieter“, meint er.
Das Bad in St. Blasien gibt es seit über vier Jahren. Es hat ein 20 x 20 Meter großes Edelstahlbecken mit einer Tiefe von 1,34 Metern, das auch ins Freie führt. Rund 6,4 Mio. € wurden investiert. „Wir haben auch die Einwohner mittels stiller Gesellschaftsanteile beteiligt“, informiert Anja Oswald, Geschäftsführerin des Bades, das bestens angenommen wird. „Wir haben durchschnittlich 40.000 Gäste im Jahr. Das entspricht unseren Erwartungen“, zeigt sie sich zufrieden. Im Bad kann man außerdem noch saunieren, sich massieren lassen oder Gymnastik betreiben. „Zudem gibt es eine medizinische Abteilung, wo man Wannenbäder nehmen kann.“
Förderstelle als Standort
Als Standort schlägt er jenen Ort vor, wo das Wasser gefördert wird. „Dieser ist ideal, weil man auch die bereits vorhandenen Schwefelbrunnen, die sehr hochwertiges Trinkwasser liefern, in das Angebot einbinden könnte.“
Ein großes Thermalbad wäre laut Eichinger in St. Jakob völlig fehl am Platz. „Man bräuchte dafür 1.000 bis 2.000 Gäste täglich. Wie soll man diese ständig in den Ort ,karren‘? Außerdem schwimmt die Gemeinde nicht gerade im Geld, und die dortigen Hotels wollen ja keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung.“
Wannenbäder in Hotels
Auch der St. Jakober Bürgermeister Hubert Jesacher kann sich ein Thermalbad ähnlich wie in St. Blasien gut in der Gemeinde vorstellen. „Unser vorrangiges Ziel ist es aber, dass die Hotels erstmals per Tankwagen mit dem Wasser versorgt werden, damit sie Wannenbäder anbieten können. In Folge könnte ein Bad entstehen.“ Eichinger wirft ein: „Die Hotels müssten aber ein Wannensystem errichten, das optisch sehr ansprechend ist. Die Zeiten, wo man sich in einen Zuber legte, sind vorbei. Am besten die Hotelbetreiber engagieren sich gleich auch einen Physiotherapeuten oder einen Sportmediziner.“
Mag. Gerald Hauser, Obmann des Regionsausschusses Defereggental, gibt zu bedenken: „Die Finanzierung eines solchen Bades ist durch die öffentliche Hand nicht möglich. Denn die Gemeinde hat einen Verschuldungsgrad von 103 Prozent. Daher bräuchte es einen privaten Betreiber, der das Bad öffentlich zugänglich macht.“
Experte Eichinger bei der Untersuchung des Thermal- und Heilwassers in St. Jakob, das seit Ende Jänner sprudelt.
Heute14°C 10°C 16 km/h |
Morgen16°C 10°C 6 km/h |
|
Skigebiet Lienz - Zettersfeld Wo die Sonne lacht |
|
|
Groß- glockner |
Lienz |
|
Lienz Center |
Golfplatz |
|
Matrei |
Virgen |